Wie Verhaltensstörungen entstehen


Verhaltensstörungen entwickeln sich ähnlich wie Ticks beim Menschen. Vielleicht kennen Sie auch Menschen in Ihrem Umfeld, die an ihren Nägeln kauen – wenn sie nervös sind –, sich häufig selbst berühren – um sich zu beruhigen – oder sich selbst beschimpfen – wenn sie einen Fehler gemacht haben. Solche Ticks entstehen nicht von heute auf morgen und erfüllen oft einen selbstberuhigenden oder selbstbestrafenden Zweck. Ähnlich verhält es sich mit Verhaltensstörungen bei Pferden.  Die angestaute Energie – oft hervorgerufen durch unerfüllte Bedürfnisse – wird umgeleitet, ähnlich wie bei einer Übersprungshandlung.

Pferde entwickeln Verhaltensstörungen wenn Sie mit ihrer natürlichen Anpassungsfähigkeit an ihre Grenzen stoßen. Das kann in reizarmen, wie in überreiztem Umfeld vorkommen. Solange sich diese Verhaltensauffälligkeiten noch nicht gefestigt haben, können sie durch äußere Reize unterbrochen werden. Es ist jedoch äußerst wichtig an dieser Stelle bereits professionellen Rat einzuholen. Denn eine einmal etablierte Verhaltensstörung, die sich über einen längeren Zeitraum gefestigt hat, ist nur noch sehr schwer therapierbar.

Als Verhaltensstörungen bei Pferden gelten beispielsweise:

  • Aufmerksamkeitsfördernde (geräuscherzeugende) Verhaltensweisen wie exzessives Scharren, Gitterbeißen, Barrenwetzen, Kettenrasseln usw.
  • Lokomotionsbedingte Verhaltensweisen wie Weben, Headshaking oder Boxen-/Zaunlaufen
  • Orale Verhaltensweisen wie Koppen oder exzessives Holzfressen
  • Aggressives Verhalten wie Aggression gegen Artgenossen oder Menschen, Autoaggression (Aggression gegen sich selbst), maternale Aggression (Aggression gegen das eigene Fohlen), Angst-Aggression oder Dominanz-Aggression
  • Narkolepsi: Pferde, die sich nicht zum schlafen legen, können plötzlich umfallen und sich dabei verletzen
  • Und vieles mehr, das vom natürlichen Verhalten abweicht oder außerhalb von natürlichen Verhaltenszusammenhängen gezeigt wird.


Wenn Sie bei Ihrem Pferd solche Verhaltensstörungen bemerken, zögern Sie nicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Je früher Sie handeln desto besser sind die Chancen die Störung erfolgreich zu therapieren und das Wohlbefinden Ihres Pferdes zu verbessern.